Georg Büchner
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Kontroverse (4)
Henri Poschmann
Rückantwort an Dedner, 11.1.2000
Dr. Henri Poschmann
Helmholtzstr.27
99425 Weimar
Telefon: 03643 401414
e-mail: heposchm@online.de

Philipps-Universität Marburg
Institut für Neuere Deutsche Literatur
Forschungsstelle Georg Büchner
und Georg Büchner Gesellschaft
Prof. Dr. Burghard Dedner
Am Grün 1 (Fronhof)

35037 Marburg / Lahn

11. Januar 2000

Lieber Herr Dedner,

Ihre Entgegnung vom 20. Dezember 1999 auf die Erklärung meines Austritts aus der Georg-Büchner-Gesellschaft geht mir zu leichthin über die Beweggründe hinweg, die mich zu meinem Schritt veranlaßten, als daß ich sie so stehen lassen könnte. Es ehrt Sie, daß Sie einräumen, Sie könnten meine Enttäuschung ("Erbitterung" schreiben Sie) über das gespannte Verhältnis, das sich nach Jahren der Zusammenarbeit mit Ihrer Forschungsstelle entwickelt hat, "sehr gut nachvollziehen". Um auf Ihre relativierend daran anschließende Andeutung einzugehen, bedürfte diese allerdings einer Konkretisierung und Bewertung in dem zeitgeschichtlichen Kontext, in dem unsere Kooperation in die Brüche ging, als das Erscheinen des ersten Bandes der Büchner-Gesamtausgabe 1992 im Deutschen Klassiker Verlag absehbar war.

Vor allem aber erscheint es mir geboten, Ihnen den Anteil, den Sie daran selbst zu verantworten haben, in Erinnerung zu rufen, denn es waren durchaus nicht, wie Sie andeuten, lediglich Differenzen zwischen mir und Herrn Mayer, die zum Abbruch unserer Arbeitsbeziehungen führten, die wir ja gelegentlich der Büchner-Konferenz an der Akademie in Berlin (Ost) 1988 unter schwierigen Bedingungen noch beachtlich ausweiten konnten. Seit dem Herbst 1989 vollzogen Sie mit Ihren Mitarbeitern eine Kehrtwendung gegen bis dahin von uns gemeinsam eingenommene Forschungspositionen, wie man aus dem Georg Büchner Jahrbuch 7 (1991) ersehen kann. Dagegen wäre, bis auf die übergeschnappte Polemik des Beitrags von Herrn Bockelmann in diesem Band des Jahrbuchs, nichts zu sagen, wenn Sie mir Gelegenheit gegeben hätten, in demselben Band meinen angegriffenen Standpunkt zu vertreten. Das taten Sie nicht. Stattdessen ließen Sie mich nach der Fertigstellung des Bandes für den Druck zu einem Diskussionstreffen einladen, auf dem Sie eine alternative Textkonstitution des Woyzeck präsentierten, die Sie anderen vorab zusammen mit der Einladung zukommen ließen - nur mir nicht! Zu der Zeit (Dezember 89) intervenierten Sie schon offiziell beim Deutschen Klassiker Verlag gegen einen Anzeigetext und forderten ein angebliches Recht auf Nennung Ihrer Forschungsstelle auf der Impressumseite des ersten Bandes unsererer Ausgabe ein. Unterdessen drohte Herr Mayer dem Verlag inoffiziell Schritte zur gerichtlichen Unterbindung der Verbreitung der Ausgabe an, für den Fall, daß sie unrechtmäßig angeeignete Arbeitsergebnisse der Marburger Forschungsstelle enthielte.

Mit Verdächtigungen, zu denen es keinerlei Veranlassung gab, und dem Bestreben, das Vertrauensverhältnis des Verlages zu mir zu stören, haben Sie schließlich die Ersetzung meines Dankwortes für die Hilfeleistung Ihrer Forschungsstelle in der Druckvorlage der Bandeinleitung durch die Formulierung, S. 425, durchgesetzt, die eine übertriebene Vorstellung von Ihrer Unterstützung und Hilfsbereitschaft zuläßt. Den Anspruch auf die Formulierung meines Dankvermerks haben Sie aus einer früheren Übereinkunft abgeleitet. Von deren Voraussetzung, nämlich Ihrer, bzw. Herrn Mayers Zusage (am 24.7.1984 in Weimar und wiederholt am 13.3.1986 in Frankfurt), für meine, schon damals geplante Edition noch unbekannte Dokumente und Quellenforschungen zur Verfügung zu stellen, waren Sie aber nach 1989/90 abgerückt, als nur noch Ihr und nicht mehr mein institutioneller Hintergrund zur Absicherung unserer Kooperation zu berücksichtigen war. In meinem Brief vom 19.9.1992 an Sie stellte ich den tatsächlichen Zusammenhang der damaligen Vereinbarung, auf die Sie sich nunmehr einseitig beriefen, klar. Ich komme auf diesen Punkt besonders deshalb zurück, weil Herr Bockelmann jetzt auffälligerweise ausgerechnet die - übrigens durch die weiterentwickelte Konzeption der Ausgabe ohnehin überholte - Verlagsanzeige von damals, deren Voraussetzung Sie so brüsk in Abrede gestellt hatten, als vorangestelltes Kriterium seiner Kritik in der FAZ bemüht.

Meine, von Ihnen als rhetorische Sprechblase abgetane Formulierung "hinterhältig diskreditierende Unterstellungen" kann ich durchaus noch mit mehr unbestreitbaren Tatsachen erhärten. Dazu gehört die von Herrn Mayer selbst eingestandene Mundpropaganda, zu der er die angemaßte Autorität Ihrer "zentralen Adresse für Anfragen aus dem In- und Ausland zu Büchner" benutzte, um Beratung suchenden Personen und Stellen, wie z. B. der Dramaturgie eines Theaters, einzureden, der 1. Bd. der neuen Edition enthalte auf jeder Seite so viele Fehler, daß er unbrauchbar sei. Mir gegenüber benannte Herr Mayer rund ein Dutzend "Versehen, Übertragungs- und/oder Druckfehler, Inkonsequenzen usw.", die, wie er einräumte, "jedem von uns passieren können". Die mehr als vierhundert übrigen, für die diese Fehler als Beispiele stehen sollten, gehören seit über sieben Jahren zu den streng gehüteten Geheimnissen Ihrer Forschungsstelle. Sie teilen damit das Schicksal unter anderem der Aktenentdeckungen zum Umkreis der politischen Aktivitäten Büchners in 36 Bänden, die Herr Mayer vor zwanzig Jahren spektakulär auf einer Pressekonferenz vorzeigte und denen die Marburger Forschungsstelle Georg Büchner 1980 ihre Einrichtung im Institut für Neuere Deutsche Literatur an der Philipps-Universität verdankt. Aus diesem Fundus zu zitieren, hat T. M. Mayer sich bis zum Abschluß der Marburger Historisch-kritischen Ausgabe (was wohl heißen wird, bis in alle Ewigkeit) ausschließlich selbst vorbehalten. Er tut es, wenn er es tut, ohne spezifische Quellenangabe der Dokumente. Der einzig mögliche Zugang der Forschung zu dem Geheimschatz besteht darin, die in der Regel äußerst bruchstückhaften und vorzugsweise polemisch eingesetzten Zitate Mayers unter der von ihm eingeführten Sammelbezeichnung "Prozeß" nachzuzitieren.

Herr Mayer hat seinen Urteilsspruch "nicht zitierfähig" vom 31. 8.1993 (wiederholt am 20.12.1993) über den Bd. 1 der Edition im DKV nicht, wie Sie behaupten, auf sechs Seiten begründet. Der ganze Brief ist nur fünf Seiten lang, und Mayer beklagt sich darin vorwiegend über Punkte meiner (übrigens zurückhaltenden) Kritik an Schwächen seiner Arbeiten. Außerdem bittet er mich in dem Brief in Ihrem Namen, meine abweichende Einschätzung zu Ihrer Annahme nachträglicher Änderungen Büchners am Ms. von Danton's Tod zu begründen. Was ich dann tat, ohne eine Rückäußerung von Ihrer Seite zu erhalten. Auch auf meinen Brief vom 14.9.1992 haben Sie mir nicht geantwortet, woran mir außerordentlich viel gelegen sein mußte, wie Sie wissen. Mayers Brief vom August 1993 enthält in Wirklichkeit lediglich auf zwei Seiten die Bemängelung von rund einem Dutzend einzelner Stellen in Bd. 1. Die einzige Anerkennung eines editionsphilologischen Fortschritts, den der Band leistete, drückt sich in dem Brief in der nonchalanten Nebenbemerkung aus, daß "einige Lesungen und Entscheidungen des Danton-Textes mit unserem Ausdruck für die HKA von 1990 übereinstimmen (gegenüber DT 1980/85)". Was das heißt, kann jeder durch einen Vergleich der Danton-Drucke nachprüfen, außer, was einen mysteriösen "Ausdruck für die HKA von 1990" angeht.

Der Brief Mayers, auf den Sie mich jetzt verweisen, war - das muß noch dazu gesagt werden - nach dem Empfang von Belegstücken des ersten Bandes des DKV-Büchner die erste Reaktion darauf aus Marburg, nach einem dreiviertel Jahr völligen Ignorierens. Mein ehemals freundschaftlich mit mir verbundener Kollege Mayer ließ sich in diesem Brief erst nach einem Schwall bitterer Klagen über Antworten, die ich Ihnen angeblich schon fast ein Jahr lang schuldig geblieben wäre, dazu herab, wie zu einer  unverdienten Gnade, indem er großmütig befand: "Aber ich will Dir dennoch wenigstens die Andeutung einer Antwort auf die Büchersendung DKV geben." Und Sie selbst? Sie haben mir bis heute nicht einmal andeutungsweise auch nur den Empfang des ersten Bandes der Ausgabe bestätigt, den ich Ihnen gegen Ende 1992 persönlich, neben dem Belegstück für Ihre Forschungsstelle, zusenden ließ. Vielleicht enthielt Ihnen selbst die Bezeichnung "Büchersendung DKV" schon eine zu weitgehende Anerkennung der Existenz von etwas, was nicht sein sollte. Noch jetzt können Sie sich nicht dazu überkommen, von der "bisher umfassendsten Büchner-Gesamtausgabe" anders als in Anführungszeichen zu sprechen. "In welcher Weise, die Büchner-Gesellschaft hiervon hätte Notiz nehmen sollen, weiß ich nicht", bekennen Sie etwas indigniert. Ich hätte ja die Ausgabe mit dem ersten Band auf einer Mitgliederversammlung vorstellen können, halten Sie mir nun vor, und bieten mir großzügig an, dies jetzt, wo auch der zweite Band vorliegt, "nachholen" zu können. Daß ich dazu nach allem, was uns durch Ihr Verhalten trennt, nur nein danke sagen kann, können Sie sich ja denken.

Zu meinem Zweifel an Ihrer Aufrichtigkeit berechtigt mich noch mehr als das schon Gesagte. Übereinstimmend mit dem damaligen Verdikt von Herrn Mayer belegte Herr Bockelmann im November 1999 in der FAZ den zweiten Band der DKV-Ausgabe mit dem Prädikat "unbrauchbar", ohne einen Beleg dafür anzugeben. Gelegenheit, wenigstens ein einziges Beispiel für die fundamentalen Textentstellungen aufzuspüren, die er mir vorwirft, hätte er gehabt, denn schon seit Juli  stand ihm ein Druckbogenexemplar des Bandes zur Verfügung. Sie versichern mir, weder Sie noch einer Ihrer Mitarbeiter seien an der Kritik Bockelmanns in irgendeiner Weise beteiligt, und schreiben von ihm: "Er vertritt seine eigene Meinung." Das mag sein, aber Sie vertreten auch diese seine Meinung.  Im Nachwort Ihrer 1999 etwa gleichzeitig mit Bockelmanns Kritik als Reclam-Taschenbuch erschienenen Woyzeck-Ausgabe (S. 199) bekennen Sie sich zu Bockelmanns, wie ich nach wie vor finde, ebenso ignoranten wie anmaßenden, Beitrag im Büchner-Jahrbuch 7 (1991), als "einem für die Textkonstitution <Ihrer> Ausgabe grundlegenden Aufsatz".  Sie zitieren da sogar Bockelmanns für Textsortenunterschiede gänzlich blinde Argumentation, nach der mein im Falle von Woyzeck praktiziertes Editionsprinzip, "wenn man es auf Büchners philosophische Skripten anwenden wollte, auch dort hessische ‚Dialekt'-formen produzieren müßte, daß also Büchner auch den Philosophen Descartes mundartlich referiert hätte". Genau das getan zu haben, unterstellt mir Bockelmann allen Ernstes, ohne jede Grundlage dafür im schwarz auf weiß Gedruckten. Nur eine sich aus der Realität entfernende Wahrnehmung, die mit "Eskapismus" wohl zutreffend zu bezeichnen ist, kann sich zu solch aberwitziger Argumentation versteigen und über all die Jahre und Befunde hinweg blind daran klammern.

Was schlimmer ist:  Sie täuschen nicht nur sich selbst, sondern Sie versuchen auch andere zu täuschen. In dem zitierten Nachwort datieren Sie (S. 186f.) meine 1984 vorgelegte Neubewertung des Entstehungszusammenhangs der Woyzeck-Handschriften und die darauf basierende Werkfassung vor auf 1992, das Erscheinungsjahr von Bd. 1 der DKV-Ausgabe. Gleichzeitig behaupten Sie, meine "Annahmen", also von angeblich erst 1992, wären durch T. M. Mayer "zwingend widerlegt". Den Ort dieser Widerlegung geben Sie an anderer Stelle (S. 176, Anm. 2) an mit "Georg Büchner Jahrbuch 9, 1995-99 [im Druck]". Im Druck? So wie vieles andere aus Ihrem Haus, das nie wirklich erschien, eine irritierende Wirkung aber oft dennoch nicht verfehlte? Es kommt ja schon eine hübsche kleine Bibliographie solcher gar nicht erschienenen Publikationen, besonders von T. M. Mayer, zusammen. Die etwas verlegene telefonische Auskunft vom Max Niemeyer Verlag heute lautet, nach längeren Verzögerungen, die nicht der Verlag zu verantworten habe, rechne man "noch" damit, daß Jahrbuch 9 bis Mitte 2000 erscheinen könne. Warten wir's ab. Eine Widerlegung, auf die man sich beruft, um ein Buch aus dem Verkehr zu verweisen, das sich, jetzt in der 7. Aufl. als insel-taschenbuch, auf dem Markt behauptet, sollte nicht, bevor sie vorliegt und überprüft werden kann, schon als "zwingend" vollzogen erklärt werden. Zumindest sollte bei der Gelegenheit die temporäre Existenz des ‚Widerlegten' bis dahin nicht verschwiegen werden. Nach Gerhard Schmids Archiv-Veröffentlichung 1981 führte eben die 1984 zuerst im Insel-Verlag Leipzig erschienene Einzelausgabe von mir einen neuen Stand der Woyzeck-Edition herbei. Die Büchner-Gesellschaft hatte diese Ausgabe deshalb, wie Sie sich wohl noch erinnern werden, als Jahresgabe 1985 an ihre Mitglieder vergeben. Zahlreicher Verbesserungen, die sie erbrachte, darunter eine ganze Reihe neu erschlossener Lesungen, bedienen sich seither auch andere Ausgaben, wenn auch nicht immer korrekt ausgewiesen, angefangen von der Münchner Ausgabe ab 1988, die "für zahlreiche Hinweise und textkritische Korrekturen" T. M. Mayer dankt, über Mayers Lesefassung zu der Comic-Ausgabe von 1990, die Sie für Ihre Reclam-Studien-Ausgabe von 1999 übernehmen. Nicht nur in der Übersicht über die "Editionsgeschichte" (S. 190-193) in Ihrem Nachwort unterschlagen Sie die Insel-Einzelausgabe, Sie erwähnen sie auch an keiner anderen Stelle, obwohl  Sie deren im wesentlichen in die DKV-Ausgabe übernommenen Text Ihren direkt entgegensetzen. Damit betrügen Sie unbewanderte Käufer Ihrer Ausgabe um die Möglichkeit des Vergleichs, die gerade eine Studienausgabe nicht ausblenden dürfte, noch dazu wenn sich eine andere Ausgabe in ebenso leicht erschwinglichem Taschenbuch-Format dazu anbietet.

Das ist nicht anständig von Ihnen, lieber Herr Kollege. Und es ist auch eher dumm als schlau, denn so plump zu übertölpeln sind alle anderen ja nun auch nicht. Sie schreiben mir, Sie wären 1994 einer Aufforderung, den ersten Band der DKV-Ausgabe zu rezensieren, nicht nachgekommen, weil dies "in der Öffentlichkeit den Verdacht hätte erregen können, daß hier ein Konkurrent einen anderen zu verdrängen suche." Diesem Verdacht haben Sie sich selbst schon lange ausgesetzt, und Sie haben ihn auch selbst vollauf als begründet bestätigt. Es versteht sich fast von selbst, daß Sie in Ihrer Lage der DKV-Ausgabe "einen wesentlichen editorischen Fortschritt gegenüber früheren Ausgaben" nicht bescheinigen mögen.  Der wichtigste Umstand, mit dem Sie die Notwendigkeit des Projekts Ihrer Marburger Edition in der Denkschrift von 1984 begründeten - "eine abgeschlossene kritische und kommentierte Gesamtausgabe liegt nicht vor" -, ist entfallen. Und damit können Sie sich natürlich nur schwer abfinden.

Zu Ihrem Rechtfertigungsversuch verweise ich im übrigen nur noch einmal auf den Kernpunkt der Kritik. Mit Ihren uneingelösten Projektversprechen belasten Sie schon 20 Jahre lang das begrenzt etatierte Potential germanistischer Forschung und Edition und werben dafür erhebliche Fördermittel ein, ohne öffentliche Rechenschaft über ein fundiertes Konzept abzulegen. Auf die Beanstandung der Diskrepanz zwischen Ihren anspruchsvollen Ankündigungen und den anhaltend ausbleibenden Ergebnissen antworten Sie mit erneut weiter in die Zukunft hinausgeschobenen Ankündigungen, wie schon zu oft, und lassen Herrn Mayer sich, in einer SPIEGEL-Meldung, "entzückt"  im Besitz eines neuen Bestecks zeigen, das die Geheimnisse der Woyzeck-Handschriften definitiv zu lüften verspricht. Wieder ein Versprechen und kein Ergebnis. In den Jahren 1985-1995 sollte Ihre Edition des angeblich nur "auf den ersten Blick schmalen Werks" Büchners in 12 plus x Bänden abgeschlossen sein. Erschienen sind noch nicht einmal die von Ihnen für den Planungszeitraum 1984-87 angekündigten Prolegomena, geschweige denn ein einziger Band einer Marburger Ausgabe. Wie lange wollen Sie die Büchner-Gesellschaft, die Geldgeber und die interessierte Öffentlichkeit noch hinhalten? Gestehen Sie endlich das Scheitern des hybriden Unternehmens Ihrer "Historisch-kritischen Ausgabe der Sämtlichen Werke und Schriften Georg Büchners" ein. Vergraulen Sie der Fachwelt nicht länger das Thema Büchner, hören Sie auf, Lehrende und Studierende, die Verlage, die Kritik, die Medien und das allgemeine Lesepublikum über die Textgrundlagen der Rezeption zu irritieren und durch Ihre Destruktionen die Wirkung des Autors zu behindern, als dessen privilegierte Sachwalterin Ihre Forschungsstelle allen Kredit verspielt hat, wenn sie überhaupt eine Lizenz dazu hatte.

Ich gehe davon aus, daß Sie den Mitgliedern der Büchner-Gesellschaft meine Austrittserklärung mit Ihrer Rückäußerung und dieser Erwiderung zur Kenntnis bringen.

Mit freundlichem Gruß

gez. Henri Poschmann